Mont Saint Michel - La Jetée
Mont Saint Michel, Normandie, Frankreich - 2002

 
 
 

Bauherr
Syndicat mixte du Mont-Saint-Michel


1995 wurde das nun vor Ausführung stehende neue Projekt initiiert, das einen Bruchteil des gescheiterten Projektes kosten wird. Die Gesamtkosten sind mit 134 Millionen Euros veranschlagt.
Zur Erarbeitung der hydraulischen Maßnahmen wurde die Bucht in einem 900m² großem Modell simuliert. Die projektierten Maßnahmen verhindern eine weitere Verlandung des Mont. Darüber hinaus werden die bereits angelagerten Sedimente ausgeschwemmt. Das Projekt setzt sich aus drei Hauptbestandteilen zusammen:

1 – Ersatz der Dammstrasse durch einen Steg auf Pfeilern, der der Strömung freien Lauf läßt. Ein Teil des Stegs ist den Fussgängern vorbehalten, der andere Teil ist als Zubringerstrasse für einen Shuttle- und Zulieferungsverkehr ausgebildet.

2 – Herstellung eines Staudamms an der Einmündung des Couesnon:
Ein System von Staukammern hält das Wasser bei steigender Flut zurück. Bei Ebbe werden die Tore geöffnet, so daß das Wasser die Sedimente mit sich reißt.

3 – Verlagerung der Parkplätze auf das Festland. Der Mont ist von den neuen Parkplätzen zu Fuss oder mit Hilfe von speziell entworfenen Shuttle-Bussen erreichbar.



Zur Planung dieser Maßnahmen wurden 3 Wettbewerbe für Arbeitsgemeinschaften von Architekten und Ingenieuren organisiert. Das Ergebnis dieser Wettbewerbe stand 2002 fest. Zur Zeit wird das Projekt der Öffentlichkeit präsentiert.
Mit den ersten Arbeiten wird 2004 begonnen. Die Fertigstellung ist für 2009 vorgesehen.

Die Verbindung zwischen dem Mont und dem Festland - Der Steg zum Mont Saint Michel

2001 wurde der Wettbewerb für die Verbindung zwischen dem Mont und dem Festland ausgeschrieben. 4 Teams wurden eingeladen, ein Projekt zu unterbreiten:
Feichtinger Architectes, Paris mit Schlaich, Bergermann und Partner, Stuttgart
Ove Arup and Partners, London

Dominique Calvi und Hennin Normier, Architekten mit Berlotier, SECOA, Cité France, Ingenieure

Jean-Michel Wilmotte, Architekt mit Scetauroute, Ingenieure

Die Jury fand im März 2002 statt.
Die Entscheidung der Jury wurde offiziell im April 2001 bekanntgegeben. Das Projekt von Feichtinger Architectes, Paris mit Schlaich, Bergermann und Partner, Stuttgart wird zur Weiterbearbeitung empfohlen. Hervorgehoben wurde von der Jury der „minimalistische elegante und der Landschaft entsprechende“ Entwurf, der sich durch seine „Kontinuität in der Form und den ausgewählten Materialien der einzelnen Teilbereiche“ von den anderen Entwürfen abhob.

(1. Preis, einstimmig, ohne Nachrücker)
Der Entwurf

Ausgangspunkt des Projektes ist sein magischer Ort.
Der Berg erhält seine Kraft durch die ihn umgebende Landschaft. Es gibt keine privilegierte Ausrichtung. Er ist der Brennpunkt innerhalb der unendlich wirkenden Ebene der Küstenlandschaft.
Die Fehlen von Bezügen und messbaren Anhaltspunkten unterstützt diese unendliche Weite. Das Projekt muss diese Situation bewahren.

Um dies zu erreichen ist das Bauwerk weitgehend horizontal, es verschmilzt mit dem Horizont. Es ist in seinen Abmessungen auf sein absolutes Minimum reduziert, eine extrem flache « Klinge »(Schneide) über dem Wasser (bei Flut), über dem sandigen Ufer (bei Ebbe).

Der Entwurf ist inspiriert von den Stegen, die in das offene Meer hinausführen, getragen von einer Anzahl feiner Stützen.

Das Bauwerk bildet in der Landschaft einen horizontalen Strich. Das Brückendeck ist extrem einfach ausgebildet, minimalistisch in seiner Erscheinung und gleichzeitig ambitioniert in seiner Konzeption und technischen Umsetzung.

Die Wegeführung

Die Wegeführung ist das Ergebnis der Überlagerung konzeptueller Überlegungen mit hydraulischen Grundbedingungen.
Der Steg beschreibt eine ausladende gekurvte Linie. Der Fussgänger erlebt den Mont und die Landschaft aus verschiedenen Perspektiven ohne ständig das Brückendeck vor sich zu haben.
Man nähert sich dem Mont an ohne direkt auf ihn zuzugehen.
Der Steg endet auf einem dem Berg vorgelagerten Bereich, der aus Sedimenten aufgebaut ist und nicht direkt am Berg.
Dieser Bereich ist überflutbar, wodurch der Berg zu einer völlig isolierten Insel werden kann (ca. 70 Stunden pro Jahr).
Die weiche Form der Kurve nimmt die Linien der Landschaft und der Sandbänke auf. Gleichzeitig ermöglicht diese Wegeführung eine Stützenanordnung, die eine maximale Durchlässigkeit der Strömung zulässt.






Die gängige Breite des Steges beträgt 11m50. Funktionell ist der Steg in drei Bereiche unterteilt:
Ein zentrales Band in der Breite von 7m ist dem Shuttle- und Lieferverkehr vorbehalten. Es wird im Osten von einem 4 m breiten Band und im Westen von einem 1,50 m breiten Sicherheitsstreifen begleitet. Diese seitlichen Bänder sind ausschliesslich für die Fussgänger vorgesehen.

Die Shuttlebusse halten 200 m vor dem Ende des Steges. Dieser „Terminal“ drückt sich in der Geometrie des Steges durch eine Erweiterung der Breite aus. Die Ausweitung des Fussgängerbereichs dient der Aufnahme des vergrösserten Fussgängerflusses und als Wartebereich, die Ausweitung des Fahrbandes ermöglicht das Manövrieren der Shuttles.
Die Veränderung der Breite wird durch einen Übergangsbereich harmonisch ohne eine Unterbrechung der Kontinuität der Bänder aufgenommen.

Die einzelnen Bänder sind durch ihre Materialien charakterisiert: die Fahrbahn wird aus Betonelementen hergestellt, die Fussgängerbereiche weisen einen durchlässigen Holzbelag aus.

Zwischen Fahrbereich und dem Fussgängerbereich im Osten ist ein 80cm breites, vom Boden abgehobenes Betonelement vorgesehen. Dieses Element stellt einen Schutz zwischen den Bereichen dar und dient gleichzeitig als Bank.

Die Beleuchtung des Wegs ist an der Unterseite der Bank integriert und unterstreicht bei Nacht die Horizontalität im Kontrast zur durch Licht inszenierten Vertikalität der Abtei auf dem Berg.

Die Konstruktion

Das zentrale Band stellt eine Art Rückgrat dar:
Eine vorgespannte sich zum Rand verjüngende Betonplatte wird von extrem schlanken Stützen in einem Abstand von 12 m getragen. Der relativ gering Stützenabstand ermöglicht eine maximale Reduzierung des Brückenquerschnitts.
Die Stützen aus massivem Stahlkern sind in die Betonplatte und in die Fundamentpfeiler eingespannt. Den Korrosionsschutz bildet ein Überzug aus Epoxidharz.
Die Fussgängerbereiche sind an die Betonplatte befestigt und kragen von dieser aus. Sie bilden vor allem im östlichen Bereich eine weite Auskragung und geben dem Deck eine grosse Leichtigkeit. Die konstruktiven Teile (Konsolen) sind aus Stahl.

Die Projekte zur Rettung des Mont Saint Michel / Hompage des Syndicat Mixte du Mont-Saint-Michel